Glaube ohne Werke ist tot
Es gibt vielleicht keine umstrittenere Bibelstelle als dieses Juwel von Jakobus:
Da dies im Widerspruch zu dem zu stehen scheint, was Paulus sagt – „Wir werden nicht aus Werken gerechtfertigt, sondern allein durch den Glauben“ (Galater 2,16) – sind die Leute zu einigen seltsamen Schlussfolgerungen gekommen:
- Paulus und Jakobus predigten unterschiedliche Evangelien.
- Jakobus verstand die Gnade nicht wirklich.
- Es war ein Fehler, Jakobus in die Bibel aufzunehmen.
- Es war ein Fehler, Jakobus in die Bibel aufzunehmen.
- Jakobus spricht nicht von Werken zur Erlösung, sondern von anderen Arten von Werken.
Ich möchte darauf hinweisen, dass diese Schlussfolgerungen falsch sind. Es gibt nur ein Evangelium, das Evangelium der Gnade, und sowohl Jakobus als auch Paulus predigten es.
Und beide Männer predigten die Rechtfertigung durch den Glauben. Jakobus tut dies nur wenige Verse später, als er sagt: „Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet“ (Jakobus 2,23).
Aber dann fügt Jakobus hinzu:
Was irgendwie so klingt, als würde Jakobus seine Meinung von Vers zu Vers ändern:
- Abraham glaubte und wurde für gerecht befunden.
- Siehst du? Er wurde durch Werke gerechtfertigt und nicht allein durch den Glauben.
Entscheide dich, Jakobus.
Oder vielleicht springt Jakobus ja gar nicht hin und her, sondern hat eine bestimmte Charakterisierung von Werken im Sinn.
Wenn wir (im religiösen Umfeld) an »Werke« denken, neigen wir dazu, von den toten Werken der frommen Selbstverbesserung zu denken. „Ich muss dies und das tun, um mit Gott ins Reine zu kommen.“
Aber Jakobus redet darüber, wie Glaube funktioniert. Was sind Glaubenswerke? Er hat uns gerade gesagt: Abraham glaubte.
Jakobus spricht zu Juden, die an Gott glaubten, aber von seinem Sohn Jesus nicht überzeugt waren. Wenn er sagt, dass „der Glaube ohne Werke tot ist“, heißt das im Klartext: „An Gott zu glauben, ohne an Jesus zu glauben, den er gesandt hat, ist ein nutzloser Glaube.“
Der Glaube an den Herrn Jesus ist die Tat, die unseren Glauben offenbart. Es mag seltsam erscheinen, den Glauben als ein Werk zu betrachten, aber der Glaube an Jesus ist Gottes Werk (vgl. Johannes 6,29).
Das biblische Wort für Glaube ist ein Substantiv (es bedeutet »Vertrauen« oder »Zuversicht«), aber glauben ist ein Verb. Wenn der Glaube der Zustand ist, in dem man davon überzeugt ist, dass Gott einen allein durch Gnade rettet, dann ist „glauben“ das Verb oder das Handeln, das aus dieser Überzeugung hervorgeht.
Wir glauben nicht, um Glauben zu bewirken. Glauben (Verb) ist vielmehr das Handeln, das unseren Glauben offenbart.
Ein Täter des Wortes zu sein bedeutet, in Demut das Wort der Wahrheit anzunehmen, das unsere Seelen retten kann (Jakobus 1,21). Empfangen bedeutet, die Zusagen Gottes hinsichtlich unserer Erlösung anzunehmen, zu glauben, ihnen zu vertrauen und sich auf sie zu verlassen.
Jakobus lässt uns nicht im Unklaren, wenn es um Werke des Glaubens geht. Er sagt, wir müssen
- uns Gott unterordnen und seine Nähe suchen (Jakobus 4,7–8),
- uns vor dem Herrn demütigen und seine Gnade annehmen (Jakobus 4,6. 10),
- den Glauben an Jesus frei von weltlichem Denken halten (Jakobus 2,1).
Leider denken viele, dass Jakobus gute Taten oder Werke der Wohltätigkeit als Ersatz oder Ergänzung zum Glauben predigt. Daher versuchen sie, Gottes Gnade und ihre frommen Werke ins Gleichgewicht zu bringen.
„Ich bin aus Gnade gerettet, aber ich muss meine Erlösung durch gute Werke beweisen.“
Es gibt kein Gleichgewicht zwischen Gnade und Werken (Römer 11,6). Es ist das eine oder das andere, beides zusammen geht nicht. Alle Taten, die vollbracht werden, um Gottes Gunst zu erlangen oder zu festigen, sind tote Werke.
Wir sind alle Geschöpfe des Glaubens, aber solange wir nicht an den Erlöser glauben, ist unser Glaube ein toter oder nutzloser Glaube (Jakobus 2,20. 26). Der Glaube an Jesus führt zum ewigen Leben (Johannes 3,16), aber der Glaube an alles andere führt zum Tod.
Johannes Calvin machte die vortreffliche Aussage: »Allein der Glaube rechtfertigt, und doch ist der Glaube, der rechtfertigt, niemals allein«. Mit anderen Worten: Der Glaube an Jesus führt zu guten Taten, und diese Taten beweisen, dass man an Jesus glaubt.
Es stimmt zwar, dass rechtschaffenes Leben dem richtigen Glauben folgt (Matthäus 5,16, Epheser 2,10), aber Jakobus spricht hier nicht von Wohltätigkeit oder Dienst im Allgemeinen. Er spricht über Erlösung (Jakobus 2,14), Rechtfertigung (Jakobus 2,21. 24–25) und die Gerechtigkeit vor Gott (Jakobus 2;23).
In diesem Zusammenhang ist das »Werk«, das zählt, der Glaube an Jesus, den von Gott gesandten Messias.
