Was bedeutet »Glaube ohne Werke«?

Quelle: https://escapetoreality.org/2026/06/04/what-does-faith-without-works-mean-james-214/
Jakobus 2,14 hinterfragt

Der wohl umstrittenste Vers im wohl umstrittensten Buch der Bibel ist dieser:

So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.
Jakobus 2,17; Einheitsübersetzung, 2016

Was meinte Jakobus damit? Widersprach er Paulus, der sagte, dass wir allein durch den Glauben und nicht durch Werke gerechtfertigt werden (Galater 2,16; Epheser 2,8–9)?

Es gibt drei Möglichkeiten, diesen Vers zu lesen.

Erstens gibt es diejenigen, die sagen, Jakobus habe das Evangelium der Gnade von Grund auf durcheinandergebracht, und deshalb sollten wir nicht auf ihn hören. Sein Brief wurde in die Bibel aufgenommen, um uns zu zeigen, wie manche Menschen die Gnade missverstehen.

Diese Ansicht stammt von Martin Luther, der diesem Brief wenig abgewinnen konnte. Er nannte ihn eine „stroherne Epistel“, weil er meinte, Jakobus widerspreche der Lehre von Paulus.

Jakobus
„Aber / dass ich meine Meinung drauf stelle / doch ohn jedermanns Nachteil / achte ich sie für keines Apostels Schrift / …“
Martin Luther, Das Neue Testament Deutsch, September 1522, Wittemberg (sic), Faksimile-Nachdruck 1972 by Edition Leipzig. Aus der Vorrede zum Jakobusbrief.

Mit anderen Worten, man solle Jakobus nicht allzu ernst nehmen, sagte Luther. Seine unausgereifte Offenbarung sei eher jüdisch als christlich.

Dann gibt es jene, die wie Augustinus und Thomas von Aquin sagen, Jakobus ergänze die Botschaft des Paulus. Johannes Calvin sagte bekanntlich, allein der Glaube rechtfertige, doch der Glaube, der rechtfertigt, ist niemals allein. Mit anderen Worten: Der Glaube an Jesus führt zu guten Werken, und diese Werke beweisen, dass man an Jesus glaubt.

Das Problem ist, dass Jakobus nicht von „guten Werken“ im üblichen Sinne spricht (Calvin dachte dabei an Selbstverleugnung, Geduld, Gebet, Hingabe usw.).

Jakobus spricht von Erlösung (Jakobus 2,14), Rechtfertigung (Jakobus 2,21.24–25) und Versöhnung mit Gott (Jakobus 2,23). Wenn dein Glaube keine sichtbaren Folgen hat, so Jakobus, bist du weder erlöst noch gerechtfertigt noch mit Gott versöhnt.

Was nützt es, meine Brüder und Schwestern, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?
Jakobus 2,14; Einheitsübersetzung, 2016
Welche Werke begleiten den Glauben?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns vor Augen halten, dass Jakobus an Juden schrieb, die an Gott glaubten. „Ihr glaubt, dass Gott einer ist“ (Jakobus 2,19). Die religiösen Juden waren gottesfürchtig, aber größtenteils glaubten sie nicht an den von Gott gesandten Sohn. Ihr Glaube an Gott war tot und nutzlos, weil er nicht mit Gottes Werk einherging, das Johannes so beschreibt:

»Das eine Werk, das Gottes Willen ganz und gar entspricht, ist: dem zu vertrauen, den er, Gott, in die Welt gesandt hat.«
Johannes 6,29; Das Buch, 2022

Jakobus ermutigt uns, Täter des Wortes zu sein und nicht nur Hörer (Jakobus 1,22). Täter des Wortes zu sein bedeutet, das Wort der Wahrheit (Jesus), das unsere Seelen retten kann, demütig anzunehmen (Jakobus 1,21). Es bedeutet, Gottes Verheißungen bezüglich unserer Erlösung anzunehmen, zu glauben und ihnen zu vertrauen.

Wenn Glaube ein Substantiv ist – der Zustand der Überzeugung, dass Gott allein aus Gnade rettet –, dann ist glauben das Verb oder die Handlung, die aus dieser Überzeugung folgt. Wir glauben nicht, um Glauben zu erzeugen. Vielmehr ist glauben die Handlung, die unseren Glauben offenbart.

Wir haben Gottes Geist, der uns auf Gott vertrauen lässt. Es ist derselbe Geist, der auch den Beter in der Heiligen Schrift erfüllte, als er sagte: »Ich vertraute auf Gott, deshalb redete ich!« Weil wir also an Jesus Christus glauben, müssen wir von ihm reden.
2. Korinther 4,13; Hoffnung für alle, 2015

Jakobus lässt uns nicht einfach drauflosraten, wenn es um die Werke des Glaubens geht. Er sagt, wir müssen uns Gott unterordnen und seine Nähe suchen (Jakobus 4,7–8). Wir müssen demütig sein und seine Gnade annehmen (Jakobus 4,6.10). Unser Glaube an Jesus muss frei von Parteilichkeit sein (Jakobus 2,1).

Um seine Aufforderung zum Glauben zu untermauern, verweist Jakobus seine jüdischen Leser auf ein bekanntes Beispiel: „Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet“ (Jakobus 2,23). Dasselbe sagte Paulus mehrfach (z. B. Römer 4,3). Jakobus und Paulus waren sich in Bezug auf die Werke des Glaubens weitgehend einig.

Denn wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.
Jakobus 2,26; Einheitsübersetzung, 2016

So wie der Geist unserem Körper Leben einhaucht, so schenkt der Glaube an Jesus unserem Glauben Leben. Der Glaube erwacht zum Leben, wenn wir das lebensspendende Evangelium annehmen. Indem wir zulassen, dass das Wort in unseren Herzen Wurzeln schlägt, empfangen wir Jesus’ Leben und werden zu neuem und ewigem Leben wiedergeboren.

Jakobus schrieb an ein religiöses Publikum, das glaubte, Gott mit seinen frommen Taten beeindrucken zu können. Jakobus hat sie darauf angesprochen, bevor er sie dazu aufforderte, nicht nur Hörer, sondern auch Täter des Wortes zu sein.

Seine Botschaft ist heute genauso aktuell. Wenn du zwar religiös bist, an Gott glaubst und Gutes tust, aber Jesus nicht als den auferstandenen Herrn anerkennst, ist dein Glaube an Gott tot und nutzlos. Es ist kein rettender Glaube.

Wie Keith Green einst sagte: „In die Kirche zu gehen, macht dich genauso wenig zum Christen, wie der Besuch bei McDonald’s dich zu einem Hamburger macht.“ Man muss Gottes Wort in die Tat umsetzen und wiedergeboren sein. Man muss seinen Glauben an Gott in die Tat umsetzen und an den von ihm gesandten Erlöser glauben.

Ungeachtet dessen, was Luther und andere dachten, Jakobus hatte viel über die Gnade zu sagen. Und alles daran war gut.