Was sind Abrahams Werke?
Wenn wir allein durch den Glauben an Jesus gerettet werden, warum besteht Jakobus dann darauf, dass unser Glaube mit Werken einhergehen muss? Wie kannst du Gottes Gnade mit den Werken der Menschen in Einklang bringen? Das kannst du nicht!
In Teil 1 dieser Studie haben wir untersucht, wie Jakobus offenbar vielem von dem widerspricht, was Paulus über den Glauben lehrt. Wenn du Jakobus 2 neben Römer 4 betrachtest, wirst du feststellen, dass beide Kapitel dieselben alttestamentlichen Beispiele verwenden, um scheinbar unterschiedliche Schlussfolgerungen zu stützen. Sowohl Jakobus als auch Paulus beziehen sich auf Abraham und zitieren beide 1. Mose 15,6. Überzeuge dich selbst.
Paulus:
»Abraham wurde sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.«
Jakobus:
Es ist klar, dass sowohl Paulus als auch Jakobus von Abrahams Glauben beeindruckt sind. Aber sie scheinen aus seinem Beispiel ganz andere Lehren zu ziehen:
Paulus:
Jakobus:
Findest du es nicht merkwürdig, dass sowohl Jakobus als auch Paulus Abraham als Vorbild wählten und sich beide auf 1. Mose 15,6 bezogen? Man könnte meinen, dass Jakobus eine Antwort auf etwas schrieb, was Paulus gesagt hatte, oder dass Paulus eine Antwort auf etwas schrieb, was Jakobus gesagt hatte. Aber ich glaube, sie schrieben beide als Antwort auf etwas, was Jesus gesagt hatte:
Wann immer wir durch einen augenscheinlichen Widerspruch in der Bibel verwirrt sind, werden wir zum richtigen Schluss kommen, wenn wir den »problematischen« Text durch Jesus’ Leben und Werk filtern. Wenn wir also Römer 4 mit Jakobus 2 in Einklang bringen wollen, hilft es, wenn wir lesen, was Jesus in Johannes 8 sagt.
In Johannes 8 geht Jesus zum Tempel und konfrontiert die Juden mit der Frage der Vaterschaft. Jesus kam, um seinen Vater zu offenbaren, aber die Juden weigerten sich zu glauben, dass Jesus der war, für den er sich ausgab.
Als die Pharisäer Jesus verachteten, weil er über sich selbst ein Zeugnis abgab, antwortete er:
Trotzdem weigerten sich die Juden, zuzuhören. Deshalb warnte Jesus sie, dass sie wegen ihres Unglaubens sterben würden (Vers 24). An diesem Punkt änderten einige der Juden ihre Meinung und vertrauten Jesus (Vers 30), aber die anderen begannen, Pläne zu schmieden, um ihn zu töten (Vers 37). Jesus kannte ihre mörderischen Gedanken und sagte, sie seien genau wie ihr Vater, der Teufel, „ein Mörder von Anfang an“ (Vers 55). Ganz offensichtlich waren sie Sklaven der Sünde, die freigelassen werden mussten. Die Juden antworteten, dass sie Abrahams Kinder seien und nie Sklaven von irgendjemandem gewesen seien. Darauf antwortete Jesus:
Die Juden dachten, sie wären etwas Besonderes, weil sie Abrahams Nachkommen waren. Aber Jesus sagte, wenn sie wirklich Abrahams Kinder wären, würden sie sich wie Abraham verhalten. Was tat Abraham also, was die Juden nicht tun wollten? Die kurze Antwort lautet: Abraham glaubte an Gott. Im Gegensatz dazu lehnten die Juden Gottes lebendiges Wort ab, selbst als er direkt vor ihnen stand. Die Wahrheit war gekommen, um sie zu befreien, aber sie weigerten sich zuzuhören. Ihre Taten bezeugten, dass sie nicht zu Gott gehörten, sondern zu ihrem Vater, dem Teufel, „einem Lügner und Vater der Lüge“ (Johannes 8,44).
Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Hier ist eine Frage, die uns bei Jakobus 2,24 helfen wird: Wann wurde Abraham Gerechtigkeit zugeschrieben? War es, nachdem er in 1. Mose 22 versucht hatte, Isaak zu opfern? War es nach seiner Beschneidung in 1. Mose 17? Nein, es war damals in 1. Mose 15.
Jahwes Wort kam zu Abraham in 1. Mose 15, in den Versen 1, 4 und 5. In Vers 6 heißt es dann: „Abraham glaubte Jahwe“, und das wurde ihm sofort als Gerechtigkeit angerechnet. In diesem Punkt sind sich Jakobus und Paulus völlig einig. (Tatsächlich sind sie sich in allen Punkten völlig einig, wie ich dir zeigen werde.) Was für Werke hatte Abraham also getan, als ihm in 1. Mose 15 Gerechtigkeit zugeschrieben wurde? Nur eines – er vertraute Gott. Welches Werk hatte Abraham laut Jesus getan, was die Juden nicht getan hatten? Er vertraute Gott.
Was genau glaubte Abraham? Er glaubte, dass Gott sein Schild und seine überaus große Belohnung sei. Auch wenn Abraham viele Verheißungen von Gott erhielt, könnte 1. Mose 15,1 als die Verheißung gesehen werden, da sie das zweifache Werk andeutet, das Gottes Sohn am Kreuz vollbringen würde – Schutz (vor dem Gericht) und Versorgung (neues Leben in Jesus). Der Schild spricht von Gottes Barmherzigkeit (völlige Vergebung!), während die Belohnung vom Reichtum seiner Gnade spricht (Gott selbst – er ist das Geschenk!). Mit anderen Worten: Abraham glaubte an Jesus und freute sich sehnsüchtig auf ihn! Wir wissen das, weil Jesus den Juden sagte:
Jesus sagte, die Juden seien ihrem Vater Abraham nicht ähnlich, weil sie nicht taten, was Abraham tat, und was sie taten, tat Abraham nicht. Die Juden lehnten Jesus ab, aber Abraham umarmte Jesus mit Freude und Erleichterung, wenn auch aus der Ferne (Hebräer 11,13). Die Werke Abrahams sind somit identisch mit den Werken, die Gott von allen Menschen verlangt:
Jakobus sagte, dass Abraham für das, was er tat, als gerecht angesehen wurde. Was hat er getan? Jesus hat uns bereits die kurze Antwort gegeben (er glaubte); Paulus gibt uns eine längere Antwort:
Was sind »Abrahams Werke«? Zu glauben und völlig davon überzeugt zu sein, dass Gott seine Zusagen einhalten wird, auch wenn die Realität etwas anderes sagt. Wann wurde Abraham vollständig von Gott überzeugt? Es war in 1. Mose 15, als Gott ihm Gerechtigkeit anrechnete. Wann sahen wir Beweise dafür, dass Abraham vollständig von Gott überzeugt war? In 1. Mose 22, als er bereit war, Isaak zu opfern. Deshalb schreibt Jakobus: „Du siehst also: Der Glaube wirkte mit seinem Tun zusammen.“ Aber Gott sah Abrahams Glauben sieben Kapitel zuvor.
Wäre Abraham immer noch als gerecht angesehen worden, wenn er Isaak nicht auf dem Altar gefesselt hätte? Viele haben das gefragt, aber es ist die falsche Frage. Die richtige Frage ist: Verlangt Gott von uns, Dinge zu tun, von denen er weiß, dass wir sie nicht tun können oder wollen? Will Gott uns zum »Versagen im Glauben« verhelfen?
Sei dir darüber im Klaren, dass wir nicht über die gewöhnlichen Werke des Fleisches sprechen. Manchmal geraten wir in Situationen, die unser Vermögen übersteigen. Wir versuchen es mit all unserer Kraft und kämpfen mit all unserer Energie, aber wir scheitern kläglich. Dies geschieht, damit wir lernen, auf Gott zu vertrauen, der Tote auferweckt, und uns nicht auf unsere eigene Stärke oder unseren eigenen Verstand zu verlassen (2. Korinther 1,9). Aber wenn wir in Jesus ruhen, wenn wir völlig davon überzeugt sind, dass Gott tun wird, was er versprochen hat, dann können wir nicht scheitern. Es ist unmöglich.
Man hat ganze Bücher darüber geschrieben, was Abraham an dem Morgen gedacht haben muss, nachdem Gott ihn aufgefordert hatte, Isaak zu opfern. Die Motivation hinter diesen Büchern ist der Gedanke: „Würg …, was wäre, wenn Gott mich auffordern würde, meinen Sohn zu opfern?“ Keine Panik, das wird er nicht tun. Gott hat seinen Sohn geopfert, damit du deinen Sohn nicht opfern musst. Wegen Jesus erhalten wir alle Segnungen, die Abraham zugesprochen worden sind, ohne das durchmachen zu müssen, was Abraham durchgemacht hat. Ja, du wirst mit Herausforderungen und Prüfungen, Leid und Nöten konfrontiert sein. Aber wenn du deinen Blick auf Jesus richtest, gibt es nichts, durch das du nicht heil hindurch kommst, es gibt keinen Kampf, den du nicht gewinnen wirst! Warum? Weil Christus dein Sieg ist (1. Korinther 15,57). Und Jesus verliert niemals, und er scheitert niemals!
Wenn Gott sagt: „Wir fahren auf die andere Seite des Sees“ (Markus 4,35) und du völlig überzeugt bist, dass Gott tun wird, was er sagt, dann kannst du ruhig und gewiss sein, egal, was für schlimme Dinge auf dem Weg passieren, dass du tatsächlich auf der anderen Seite des Sees ankommst. Gott hat es gesagt! Ebenso war Abraham völlig davon überzeugt, dass seine Nachkommen durch Isaak hervorkommen würden. „Wenn Isaak ohne Kinder stirbt“, argumentierte er, „dann muss Gott die Toten auferwecken“ (Hebräer 11,19). Es muss unbedingt passieren. Man spekuliert darüber, ob Abraham dem Herrn nur zögerlich gehorchte, aber die Bibel sagt, dass er „früh am nächsten Morgen“ aufstand und ging (1. Mose 22,3). Warum solltest du warten, wenn da ein Wunder auf dem Weg liegt? Zögern kann für den Glauben tödlich sein. Manchmal ist es einfach besser, schnell zu gehorchen, solange der Glaube stark ist.
Um Teil 1 und Teil 2 dieser Studie zusammenzufassen, sehen wir nun, dass es zwei sehr unterschiedliche Arten gibt, mit der Bibel umzugehen. Wir können vom Gesetz oder von der Gnade an sie herangehen. Wir begeben uns unter das Gesetz, wenn wir nach Dingen suchen, die wir für Jesus tun sollten. Wir bleiben in der Gnade, wenn wir in Jesus ruhen und dann tun, was ganz natürlich kommt. Unter dem Gesetz kurbeln wir an. Unter der Gnade reagieren wir im Glauben auf das, was Gott sagt oder tut. Wir sehen ihn oder hören ihn, und dann schließen wir uns ihm an (Johannes 5,19). Unter dem Gesetz sind wir auf uns allein gestellt. Unter der Gnade sind wir Jesus’ Partner (2. Korinther 6,1). So handelten Jesus und Abraham und alle Helden des Glaubens. Welches Werk möchte Gott von uns? Er möchte, dass wir ihm vertrauen und völlig davon überzeugt sind, dass er tun wird, was er gesagt hat, auch wenn unsere gegenwärtige Realität etwas anderes sagt.
Und mit dieser festen Grundlage sind wir endlich bereit, in Jakobus 2,24 einzutauchen. Bleibe dran für den Teil 3 …
Jakobus 2,24