Strenge Liebe für Betrunkene und Sünder
Der verstorbene Brennan Manning erzählte einmal eine Geschichte über einen neuen Patienten, der in eine Rehabilitationsklinik für Alkoholkranke eingeliefert wurde. Dieser Patient, nennen wir ihn Max, schien ein gesunder und respektabler Bürger zu sein.
Der Therapeut war nicht überzeugt. „Du bist ein Lügner!“, hielt er ihm vor. „Du säufst wie ein Schwein.“
Max lächelte und ließ sich nicht aus der Reserve locken. Er wusste, dass sein Alkoholkonsum gemäßigt war. Er musste sich für nichts schämen.
Der Therapeut nahm den Hörer ab und rief Max’ Barkeeper an. Es stellte sich heraus, dass Max deutlich mehr zu trinken pflegte, als er zugab. Max explodierte vor Wut. Er beschimpfte den Barkeeper und spuckte auf den Teppich. Mit ein wenig Mühe erlangte er seine Fassung wieder.
Sein Gefühlsausbruch sei berechtigt, sagte Max. Sogar Jesus verlor die Beherrschung.
Der Therapeut drang weiter auf ihn ein. „Waren Sie jemals unfreundlich zu Ihren Kindern?“
Max erinnerte sich zwar an einige Unannehmlichkeiten in Bezug zu seiner neunjährigen Tochter, konnte sich aber nicht an die Einzelheiten erinnern. Der Berater rief Max’ Frau an und erfuhr die ganze Geschichte
Max war mit seinem kleinen Mädchen zum Einkaufen eines Weihnachtsgeschenks gegangen und hatte auf dem Heimweg bei einer Gaststätte angehalten, um etwas zu trinken. Er schloss seine Tochter im Auto ein und versprach, dass er bald wiederkommen würde. Es war ein extrem kalter Tag, also ließ er den Motor laufen.
Um Mitternacht taumelte Max betrunken hinaus. Der Motor hatte aufgehört zu laufen und die Fenster des Autos waren zugefroren. Seine Tochter erlitt so schwere Erfrierungen, dass die Ärzte ihr zwei Finger amputieren mussten. Sie teilten ihm mit, dass sie für den Rest ihres Lebens taub sein würde.
Konfrontiert mit den schrecklichen Folgen seines Fehlverhaltens zerbrach Max’ Maske der Seriosität. Er brach hysterisch schluchzend auf dem Boden zusammen. Der Therapeut drückte Max seinen Schuh in die Seite und rollte ihn auf den Rücken.
„Du bist unsäglicher Schleim!“, entgegnete der Therapeut eiskalt. „Mach, dass du hinauskommst, bevor ich mich übergeben muss. Ich leite keine Reha für Lügner!“
Mannings Argument ist, dass strenge Liebe unerlässlich ist, wenn man es mit lügenden Alkoholikern zu tun hat. „Um den Gefangenen zu befreien, muss man der Gefangenschaft einen Namen geben.“ Bevor ihm geholfen werden kann, muss Max erkennen, dass er Hilfe braucht.
Das Gleiche gilt für Sünder.
Wenn du meinst, dass Sünde keine ernste Angelegenheit ist, wirst du den Wert von Gottes Gnade nicht zu schätzen wissen. Du wirst von seiner Vergebung unbeeindruckt sein und du wirst in der Gnade einen Freibrief zur Sünde sehen.
Es ist nicht schwer, in der Kirche angesehene Sünder zu finden. Sie kommen, wie Max, mit ihren frommen Masken herein und liefern eine gute Show ab. Sie leiten Hauskreise und sind bereit, sich für Arbeitskreise zur Verfügung zu stellen. Sie erzählen tolle Geschichten und hinterlassen einen guten Eindruck. Aber innerlich sind sie voller Totengebeine.
Der Apostel Johannes ließ sich nicht von äußeren Erscheinungen täuschen. Da er weiß, dass sein Brief weitverbreitet und gelesen werden würde, spricht er zu den Max dieser Welt:
Mit anderen Worten: „Ihr Sünder, die ihr denkt, ihr seid zu gut für Jesus und braucht keine Rettung, ihr seid unsäglicher Schleim! Verschwindet, bevor ich mich übergeben muss. Ich leite keine Gemeinde für Lügner.“
Und ja, Johannes verwendet in seinem Brief mehrmals das Wort „Lügner“ (1. Johannes 2,4. 22; 4,20).
Und „Mörder“ (1. Johannes 3,15).
Johannes legt das Gesetz dar, damit diejenigen, die denken, sie seien frei von Sünde, ihren wahren Zustand erkennen. Tatsächlich ist dies einer von den drei Anwendungsbereichen des Gesetzes.
Zur Verdeutlichung: Im ersten Kapitel seines Briefes spricht Johannes zu selbstgerechten Sündern. Er spricht nicht zu Gottes geliebten Kindern. Sein Ton ändert sich völlig, als er zu Beginn von Kapitel 2 „meine kleinen Kinder“ anspricht.
Er spricht auch nicht zu verlorenen oder zerbrochenen Menschen. Er konfrontiert Heuchler, die die Kirche unterwandert haben. Menschen, die in der Dunkelheit wandeln und keine Wahrheit in sich haben (1. Johannes 1,6).
Welche Botschaft hat Johannes für diese Betrüger und Scharlatane? Hier ist meine Umschreibung von 1. Johannes 1,9-10:
Harte Worte, aber für Schwindler und Betrüger sind es möglicherweise lebensrettende Worte.
Wer Gottes sanfte Liebe ablehnt, braucht die strenge Liebe des Gesetzes, damit sein wahrer Zustand offenbart wird.
