Hütet euch vor dem Hirten, der die Schafe schlägt!

Quelle: https://escapetoreality.org/2026/07/09/beware-the-shepherd-who-beats-the-sheep/

Vor vielen Jahren wurde ein Freund von mir eingeladen, in einer Kirche zu sprechen.

Er saß als Ehrengast in der ersten Reihe und beteiligte sich am Lobpreis und der Anbetung. Doch bevor er als Redner des Morgens angekündigt wurde, sah er fassungslos zu, wie der Gastgeber, der Pastor, aufstand und begann, die Gemeinde zu kritisieren.

„Die Anbetungszeit heute Morgen war erbärmlich. Die Hälfte von euch ist gar nicht erst zum Lobpreis erschienen, der Rest kam verspätet mit Latte macchiato und in abgewetzten Jeans. Das ist beschämend. Ihr seid lau und Ekel erregend für Gott. Manche von euch sollten sich mal selbstkritisch hinterfragen und sich fragen: ‚Bin ich wirklich ein Christ?‘“

Von diesen harschen Worten der Kritik getroffen, senkten manche beschämt den Kopf. Nicht so mein Freund. Er sprang auf die Bühne, riss dem Pastor das Mikrofon aus der Hand und begann, den Schaden wiedergutzumachen.

„Ihr seid nicht Ekel erregend für euren Vater im Himmel. Er liebt euch mit einer Liebe, die niemals erlischt. Es ist ihm egal, wie laut ihr singt oder was ihr anhabt. Er jubelt über euch und hält euch für wundervoll.“

Während mein Freund weiterhin die frohe Botschaft von Gottes bedingungsloser Liebe verkündete, hoben sich die Köpfe und die Menschen begannen zu lächeln. Scham und Verurteilung waren verschwunden. Der Raum füllte sich mit Lobpreis für den Herrn.

Als ich diese Geschichte zum ersten Mal hörte, war ich von dem Mut meines Freundes beeindruckt. Doch im Nachhinein betrachtet, ist das, was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, die Tatsache, dass es sich um eine Gemeinde handelte, in der Menschen eingeschüchtert und seelisch und geistig misshandelt wurden – von ihrem Pastor.

Jesus ist der gute Hirte, aber als dieser Hirte die Schafe schlug, reagierten sie, als sei das normal. Sie dachten wohl: „Ja, ich bin ein jämmerliches Exemplar eines Christen. Ich mache nichts richtig, und ich nehme an, Gott ist enttäuscht von mir.“

Um ehrlich zu sein: Auch ich habe Dinge gesagt, die bei anderen Schuldgefühle und Scham ausgelöst haben. Ich habe nicht geschrien oder getobt, aber als junger Pastor habe ich manchmal die Leute angepredigt, sie sollten mehr Frömmigkeit anstreben. Was, wenn man mal darüber nachdenkt, wirklich verrückt ist. Menschen mit Gewalt zu Heiligkeit zu zwingen, ist, als würde man einem Säugling das Laufen beibringen wollen, indem man ihn anschreit.

(Randbemerkung: Ich habe an anderer Stelle darüber geschrieben – Mobbing in der Kirche. Mobbing in Form von Predigen des Gesetzes, Machtmissbrauch, öffentlicher Bloßstellung und Drohungen ist weit verbreitet. Tragischerweise wird vieles davon als normal angesehen.)

Ich danke Gott für Menschen wie meinen Freund, die sich dieser Verurteilung entgegenstellen und sich für die Missbrauchten einsetzen. Ich danke Gott auch für Menschen wie den Apostel Paulus, der sich weigerte, zuzulassen, dass die Judaisten die neutestamentliche Gemeinde mit Gesetzen belasteten.

Aber wir haben ihnen nicht einen Augenblick nachgegeben und haben uns ´ihren Forderungen` nicht gebeugt; denn die Wahrheit, die uns mit dem Evangelium gegeben ist, sollte euch unter allen Umständen erhalten bleiben.
Galater 2,5; Neue Genfer Übersetzung, 2011

Es braucht Jesus’ Mut, um gegen die Lügen anzukämpfen, die Menschen davon abhalten, sich Gott zu nähern. Und es braucht die Weisheit des Heiligen Geistes, um sich daran zu erinnern, dass unser Kampf nicht gegen Fleisch und Blut gerichtet ist.

Der gastgebende Pastor in dieser Geschichte war nicht der Bösewicht. Er war nur fehlgeleitet und wahrscheinlich überarbeitet. Wie die Menschen in seiner Gemeinde musste auch er befreit werden.

Paulus sagte, er habe sein Leben dem Predigen des Evangeliums der Gnade gewidmet (Apostelgeschichte 20,24). Gibt es eine bedeutungsvollere Tätigkeit?

Du fragst dich wahrscheinlich, was mit meinem Freund passiert ist. Leider erinnere ich mich nicht mehr an den Rest der Geschichte. Es ist schon lange her. Aber aufgrund ähnlicher Fälle, von denen ich gehört habe, vermute ich, dass mein Freund keine weitere Einladung von diesem Pastor erhalten hat.

Das ist schade, denn was er predigte, war genau das, was die Welt am dringendsten hören muss.